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Die drei Landstreicher

 

Komödie in drei Akten

Zeit: 1950er

Bühne: Bauernhof-Hof, Wohnhaus – Hofmauer mit Häusel und Tor – Schmiede

Spiel: Wechsel zwischen schnellen Szenen und ruhigen Passagen, viel Wortwitz

 

Figuren

 

Fritzi

14 -16 Jahre

Fritzi ist ein intelligenter, noch nicht ganz fertiger junger Mann. Zeit für eine Pubertät hat er nicht gehabt, er musste, seit dem Tod seiner Eltern für seine beiden Brüder mitdenken.

Geht man davon aus, dass seine Eltern bereits 6 Jahre tot sind, und dass Fritzi und seine Brüder sich seitdem als Landstreicher herumtreiben, kann man sich vorstellen, was Fritzi schon alles hinter sich hat. Seine Stärke ist sein Charme, den er bewusst und gleich in seiner ersten Szene mit Hanni voll und ganz ausspielt. Wahrscheinlich werden ihm in ein, zwei Jahren die Frauen die Haustür einrennen. Seine zweite Stärke ist ein großes Gespür für richtig und falsch, was so ähnlich ist wie gut und böse, aber nicht ganz dasselbe. Man könnte Stunden damit zu bringen, um zu erörtern, ob Fritzis Plan gut oder böse ist – es gehört schon ein Stück Bosheit dazu, sich so etwas auszudenken, es kann aber kein Zweifel darüber bestehen, dass Fritzis Plan der einzig richtige war, letztlich ist niemand zu schaden gekommen.

 

Franz und Fred

Um die 30  - 40 Jahre alt

Franz und Fred sind untrennbar. Sie haben das Herz am rechten Fleck und lassen nichts anbrennen. Sie trinken gern (Fred hat den größeren Durst) und essen gern (Franz hat den größeren Hunger), Gegen einen ordentlichen Genuss-Rausch und ein fesches Weiberleut gibt es für sie kein einziges überzeugendes Argument. Denken ist nicht ihre Sache, wozu auch, dafür haben sie ihren Fritzi. Aber wenn es drauf ankommt – wie ganz am Ende – haben sie manchmal doch die besseren Argumente, die aber aus dem Bauch und gewiss nicht aus dem Hirn kommen.  

Wer die beiden nicht mag, der mag sich wahrscheinlich selber nicht, was aber für Franz und Fred kein Problem ist. Das ist das Problem desjenigen, der sie nicht mag.

 

Hofa Hanni

Um die 60 Jahre alt

Die Hofa Hanni ist eine Stoanäherin (Frauen, die im Dorf die Näh- und Wascharbeit übernehmen, da die Bäuerin etwas anderes zu tun hat) die von Hof zu Hof zieht und sich um die Wäsche der Leute kümmert. Und deshalb weiß sie auch, was im Dorf los ist und kennt ihre Pappenheimer wahrscheinlich besser als jeder andere. Das und ihr recht bewegtes Leben –sie hat im Krieg ihre drei Söhne verloren, ihr Mann ist auch schon tot, und überhaupt – machen die Hanni zu einer Figur, die für Lebensweisheit steht. Lebensweisheit ist etwas anderes als aus Büchern erlernte Weisheit. Hanni ist eine Frau mit der man sich immer gern unterhält, man hat danach das Gefühl, dass die Welt gar nicht so kompliziert ist, und dass wir es selber sind, die das Leben kompliziert machen. 

 

Martha

Mitte 40

Martha ist die Bäuerin und Chefin am Hof. Sie hat die schwere Aufgabe zwei eigenwillige Männer, eine langsame Magd und die aufwendige Hofarbeit zu koordinieren. Martha steht Mitten im Leben, für Weisheit und Muse hat sie keine Zeit. Wenn’s eine Arbeit gibt, wird die gemacht und zwar jetzt. Sie ist der Mittelpunkt des kleinen Hofkosmos’ und als solcher unersetzlich. Ihr Auftreten ist energisch, ihre Körperhaltung schreit danach: „Was kann ich als nächstes tun?“ Viel Reden ist Zeitverschwendung für sie, was sich auch ganz am Ende zeigt: Lange Erklärungen führen zu nichts, kurze prägnante Belehrungen schon. 

 

Martin

Anfang/Mitte 20

Im Kleinen betrachtet ist Martin ein verzogenes Einzelkind, dem auf Grund von frühen Vaterschaftsverlust und „Mei Bub, ich hab eine Arbeit und keine Zeit für dich!“- schlechten Gewissen alles immer „nausg’angen“ ist. Deshalb trifft ihn die Demütigung im Akt 1 so tief.

Im Großen betrachtet ist Martin ein junger Mann seiner Zeit. Er ist mit dem Gut – Böse Denken der Nachkriegszeit aufgewachsen: 

Amerika = modern, toll, Retter, gut!

Russland = Wäh, böse! Weg damit!!!

Diese Denkweise sitzt tief, so tief, dass ihm das Denken über richtig und falsch fehlt. Was man ihn aber nicht vorwerfen kann. 

Deshalb ist es auch konsequent für seine Vorgehensweise den Onkel beseitigen zu wollen.

Onkel = Böse, wäh! Weg damit!!

Definitiv ist Martin kein Bösewicht, es wäre ein Kardinalsfehler ihn in den ersten beiden Akten so auftreten zu lassen. Sonst würde man ihm die Emotionsausbrüche im dritten Akt nicht abnehmen, und da kann der Darsteller alle, und  ich meine alle, Register ziehen. 

Erst wenn der Darsteller meint, er könne hier nicht weiter überziehen, ist er grad am Anfang von dem, was er zeigen muss!

 

Alois

Um die 50 Jahre alt

Alois ist ein Schmied, er haut den ganzen Tag auf Eisen ein. Das ist weder lustig noch beansprucht es komplizierte Denkvorgänge. Alois ist ein Grantelhuber, Eigenbrötler und beizeiten ein Kotzbrocken. Dabei kann man ihm sonst nichts vorwerfen. Er arbeitet fleißig, ist rechtschaffen und weiß, wann einer mal eine ordentliche Watschen braucht, was in den 50er Jahren aber noch kein Verbrechen sondern Alltag war. 

Wahrscheinlich mag er sich selber nicht besonders. Früher hätte er wohl gern geheiratet, weil Frauen – aus seiner Sicht – doch ganz nützlich sind, Kochen und Bett! Aber irgendwie hat er sich, bedingt durch das Zusammenleben mit seiner Schwester, die doch immerhin das Kochen erfüllt hat, nicht wirklich dabei angestrengt. Und das hat ihn zu dem Eigenbrötler werden lassen. Andererseits ist es immer ein Vorteil, einen Kerl wie Alois als Freund zu haben, und das nicht nur weil er jeden vermöbeln kann.

 

Walli

Mitte 20

Ja mei, die Walli, gell!

Walli redet langsam, bewegt sich langsam, denkt langsam... Man kann nicht einmal sagen, dass sie faul ist, sie ist nur langsam. Sie mag’s halt einfach beschaulich, wenngleich sie das Wort „beschaulich“ nicht einmal kennt. Aber eine Nette ist sie schon und sie weiß, was sich gehört. 

Die Rolle der Walli ist ein running gag an und für sich. Je überzogener das gespielt wird umso mehr Lacher hat Walli – und nicht zuletzt auf ihrer Seite.

 

Frieda

Mitte/Ende 30

Frieda ist die reichste Frau im Dorf. Sie ist sooo reich, dass sie es nicht einmal mehr nötig hat, das zu zeigen. 

Ihr Aussehen ist ihr vollkommen egal, weil sie sich, so wie sie ist, mag. (Unter uns: Ich finde das beneidenswert.)

Frieda hat eine dreckige Latzhose, ein kariertes, geflicktes Hemd (alles außer rot/weiß! Bitte!), ein rotes, schmieriges Halstuch und natürlich mistverklebte Gummistiefel an. Wenn sie auf die Bühne kommt, muss man den Schweinestall förmlich riechen können.

Und außerdem hat sie ein einfaches Gemüt. 

Und diese Mischung macht sie zu einem Trampel allererster und allerlustigster Güte. Wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann wird das durchgezogen bis 5 Meter hinter die Ziellinie. Allerdings ist es sehr leicht sie auf neue Wege zu bringen, die sie dann mit ebensolcher Intensität verfolgt. Sie kann es sich in jeder Hinsicht leisten.

 

Beta (Botin)

Um die 40

Beta, das ist kein Name, das ist eine Berufsbezeichnung. Die Älteren werden das noch wissen. Die Beta war die Botin, die für die Bauern Besorgungen und Botengänge im Dorf und in der Stadt erledigt hat. (

Es bleibt offen, in welchem Verhältnis Beta und Frieda stehen. Anscheinend ist Beta von Frieda, als ihre Hauptauftragsgeberin, finanziell abhängig. Auf der anderen Seite ist sie die einzige, die ganz offen mit Frieda reden darf und über alle Geheimnisse Friedas Bescheid weiß. Aus diesem Zwiespalt heraus ist Beta keine recht zufriedene Person, sie wirkt immer ein bisschen angefressen und pissig, weil sie viel zu intelligent für ihre Arbeit ist. Ich nehme an, Beta würde sich gerne mal auf den Dorfplatz stellen und laut schreien: „Ihr seid alle so Sch...!“ 

Aber was hilft’s?

Ihr Motto ist eindeutig: Ja mei, da muss man durch! 

Oder noch besser:

Auch das geht vorüber!

Und das ist sehr klug, wie ich finde.

 

Gendarm

Ein Beamter halt! Nein, das ist nicht richtig. Ein Beämtchen, wenn es das Wort geben würde.

Der Gendarm ist eine lächerliche Figur, wie das die Beamten auf der Bühne immer sind, auf der Bühne, bitte, ich will da nicht missverstanden werden, so ist halt das Clique. 

Der Gendarm kann richtig überzogen dargestellt werden. 

„Entschuldigung, sind Sie die Leiche?“ sagt eigentlich alles über die Rolle aus.

Ein in seiner Pflicht- und Vorschriften- Erfüllung verhafteter Mensch muss notgedrungen von einem Fettnapf in die nächste Fettwanne stolpern. 

Eigentlich wünscht er sich schon immer einen besonders ernsten oder kniffligen Fall, als es aber dann wirklich ernst wird, möchte er am liebsten auf und davon. 

 

Inhalt:

 

Akt 1

 

Die Hofa Hanni wäscht die Wäsche beim Schmied Alfons im Hof. Fritzi und seine Brüder schleichen herein, um der Hanni die Brotzeit zu stibitzen. Sie sind drei ausgehungerte Landstreicher auf der Flucht, weil sie angeblich jemand umgebracht haben, was aber nicht stimmt. Der junge Automechaniker Martin, Neffe von Aois und Mitbewohner des Hofes gerät mit seinem Onkel in einen erbitterten Streit, da er einen Teil der Schmiede in eine Werkstatt umwandeln möchte. Zudem erkennt Martin die drei Landstreicher als die von der Polizei gesuchten Mörder. Er zwingt sie, ihm behilflich zu sein, den Schmied zu ermorden. Martha, die Schwester von Alois und Mutter von Martin, steht zwischen den Stühlen und ist verzweifelt. 

Und dann ist da noch Frieda auf der Suche nach einem g‘scheiten Mannsbild. Ihre Wahl ist auf Alois gefallen. Verzweifelt erzählt sie den Drei Landstreichern von ihrer unerwiderten Liebe. Fritzi bringt ihr bei, wie Marilyn Monroe zu laufen.

 

Akt 2

In der Nacht überlegt Fritzi, wie er den Onkel Alois „ermorden“ könnte, ohne dass er dafür verantwortlich gemacht werden kann und möglichst auch ohne echte Leiche.

Frieda bringt im Monroe Kostüm ihrem Alois ein Ständchen, das nicht gut aufgenommen wird. Fred und Franz kommen betrunken zurück auf den Hof.

Fritzi fällt endlich ein, wie er aus der Mordnummer herauskommt.

 

Akt 3

In Kürze:

Als alle eine Brausepulver trinken (Ahoibrause) wird Martha vergiftet.

Martin und Alois bedauern den Vorfall zutiefst.

Da taucht Martha wieder lebendig auf. Es war Fritzis Plan, so die beiden Streithammel wieder zu versöhnen.

Frieda kann Alois nicht erobern, denn sowas gibt es ja nur im Theater.

Die Hofa Hanni nimmt die drei Landstreicher bei sich auf.